Wochenandacht - EVKIGER

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Gerolstein-Jünkerath
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Unsere aktuelle Andacht

      
Andacht zum 3. Sonntag in der Passionszeit
- Okuli -
von Pfarrerin Sonja Mitze
Seien Sie ganz herzlich gegrüßt zu unserer Andacht zum Sonntag Okuli.

Okuli ist lateinisch und bedeutet: Meine Augen.

 
Der Name dieses Sonntags bezieht sich, wie auch schon die Namen der letzten Sonntage auf den Leitvers des Psalms, der an diesem Sonntag gebetet wird:
 

Meine Augen sehen stets auf den HERRN, denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.
(Ps 25,15)
 


Wohin wir unsere Augen richten sollen, dazu hat auch der Wochenspruch dieser Woche etwas zu sagen, der im 9. Kapitel des Lukasevangeliums steht:

Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.
(Lk 9,62)


Nicht zurückschauen, sondern nach vorn. Nicht in der Vergangenheit hängen bleiben, sondern sich nach vorn orientieren, hin zum Licht des Reiches Gottes.

 
Lassen Sie uns das gemeinsam tun im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Ich lade Sie ein, mit Worten des 34 Psalms zu beten:

Meine Augen sehen stets auf den HERRN, denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.
(Ps 25,15)

Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien.
 
Wenn die Gerechten schreien, so hört der HERR und errettet sie aus all ihrer Not.
 
Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.
 
Der Gerechte muss viel leiden, aber der HERR hilft ihm aus alledem.
 
Der HERR erlöst das Leben der Seinen, und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.
(Ps 34, 16.18-20.23)

Lassen Sie uns beten:

Gott, du Stärke und Licht unseres Lebens!
 
Mit freundlichen Augen blickst du uns an und rufst uns in dein Licht. Zu einem Leben voller Güte, Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeithast du uns berufen.
 
Hilf uns dabei und richte unsere Augen auf dich und dein Reich!
 
Dies bitten wir im Namen Jesu Christi, der gekommen ist, um uns den Weg zu dir zu zeigen.

Amen


Liebe Schwestern und Brüder!

Wie leben Sie Ihren christlichen Glauben?

Keine Angst, Sie müssen mir hier jetzt nicht Rede und Antwort stehen. Kommt jetzt vielleicht auch ein bisschen überraschend, so etwas wird man schließlich nicht alle Tage gefragt. Wenn man deutsch ist jedenfalls nicht. Anders sieht es da bei unseren iranischen Geschwistern aus, die nach Deutschland gekommen sind und sich haben taufen lassen:
 
Die bekommen diese Frage nämlich immer wieder gestellt: vom Gericht, vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und anderen Behörden. Wie leben Sie Ihren christlichen Glauben?
 
Was würden wir antworten, wenn jemand uns das fragen würde? Vielleicht, dass wir regelmäßig in den Gottesdienst gehen, an Gemeindegruppen teilnehmen, vielleicht sogar ehrenamtlich mitarbeiten. Vielleicht gehört es für Sie auch dazu, regelmäßig in der Bibel zu lesen und zu beten. Und dann sicherlich auch: Nächstenliebe üben, hilfsbereit sein.

Wie leben wir unseren christlichen Glauben?

Diese Frage hat auch schon den Verfasser des Epheserbriefes beschäftigt. Für ihn ist ganz klar: Der christliche Glaube ist nicht nur etwas Innerliches, das von außen nicht sichtbar ist, sondern etwas, das Auswirkungen auf unser Leben hat. Im 5. Kapitel, dem heutigen Predigttext schreibt er:

So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.
 
Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört, auch nicht von schändlichem Tun und von närrischem oder losem Reden, was sich nicht ziemt, sondern vielmehr von Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das ist ein Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. Darum seid nicht ihre Mitgenossen.
 
Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.
(Eph 5, 1-9)

Unser Glaube, so innerlich und unsichtbar er zunächst auch sein mag, hat Auswirkungen darauf, was wir denken, was wir fühlen und dann auch wie wir leben und was wir tun. Durch die Taufe wird unser ganzes Leben auf den Kopf gestellt. Ihr wart früher Finsternis, nun aber seid ihr Licht des Herrn, so schreibt der Verfasser des Epheserbriefes. Für ihn ist die Taufe kein einmaliger Akt, der halt irgendwie dazugehört, ansonsten aber alles beim Alten bleibt. Nein, Taufe ist etwas, das Auswirkungen auf das gesamte Leben hat, denn in der Taufe wird das ganze Leben, das vorher in Dunkelheit getaucht war, ins Licht gerückt. Was er mit Dunkelheit meint, auch daran lässt der Epheserbrief keinen Zweifel: Unzucht, Unreinheit, Habsucht, schändliches Tun und närrisches, loses Reden. Ich gebe zu, diese Worte klingen heute etwas altbacken, und dadurch irgendwie ein wenig unverständlich. Aber wenn man sich mal einen Augenblick Zeit nimmt, dann kann man sie durchaus in unsere Verhältnisse übersetzen: Missbrauch, Gewalt – und dazu gehört ja nicht nur körperliche, sondern auch verbale – die Gier immer mehr haben zu wollen, damit verbunden: Ausbeutung von anderen Menschen, Tieren, Ressourcen. Und was das Reden anbelangt: Mobbing, Lästern, Spott – auch das kennen wir heute.
 
Der Epheserbrief jedenfalls will mit der Absage an ein solches Verhalten eine klare Grenze ziehen zwischen denen, die zur Gemeinde gehören und der heidnischen Gesellschaft, in der sie leben. Er will die Christinnen und Christen daran erinnern, dass Gott sie in der Taufe zu einem anderen Leben berufen hat, in dem sie weder den eigenen Begierden noch dem destruktiven Verhalten ausgeliefert sind, das sich auf Kosten anderer vergnügt, lustig macht oder bereichert. Von so etwas soll bei euch nicht einmal die Rede sein! Ganz zu schweigen davon, dabei mitzumachen. Stattdessen soll das, was wir sagen, von Dankbarkeit erfüllt sein.

Ihr seid von Gott geliebte Kinder, Kinder des Lichts!

Deshalb wandelt in der Liebe, ahmt Gott nach, indem ihr ein Leben im Licht führt, voller Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit!
 
Hier Licht – dort Finsternis, hier das Gute – dort das Böse, hier die Wahrheit – dort die Lüge, hier die Gerechtigkeit – dort Unrecht und Ungerechtigkeit, hier die Christenheit – dort alle anderen. Aber ist das wirklich so schwarz-weiß, wie es in unserem Predigttext herüberkommt? Ich habe da, ehrlich gesagt, so meine Zweifel.
 
Gibt es nicht auch genügend Menschen, die nicht dem christlichen Glauben angehören, aber sich durchaus für das Gute einsetzen, und so zu Repräsentanten des Lichts werden?
 
Und würde der Epheserbrief sich andererseits so große Mühe machen, die Gemeinde vor den „Werken der Finsternis“ zu warnen, wenn er nicht Sorge hätte, dass auch Christinnen und Christen ihnen (wieder) verfallen könnten? Und diese Sorge ist durchaus berechtigt, man denke nur an die Missbrauchsskandale innerhalb der Kirche.
 
Wie leben wir unseren christlichen Glauben? Gerade an diesem Beispiel wird deutlich, dass es Auswirkungen hat, wie wir leben. Unser Glaube oder besser: die Glaubwürdigkeit des christlichen Glaubens und der Kirche wird daran gemessen, wie jeder und jede einzelne von uns diesen Glauben lebt.

Also: Wie lebe ich meinen Glauben?

Klar, ich will das Gute tun, will Licht und Liebe in dieser Welt verbreiten, aber manchmal wird mir bewusst, dass es auch in meinem Leben dunkle Seiten gibt und ich merke, wie sehr ich noch in alten Strukturen und Denkmustern verhaftet bin.
 
Erst letztens ist mir wieder einmal sehr deutlich geworden, wie weitreichend meine Verstrickung in Ungerechtigkeit ist, obwohl es mir oft gar nicht bewusst ist, weil ich es die meiste Zeit geschickt verdränge. Manchmal erinnert Gott mich aber daran, so wie letztens: Ich habe mich auf den Ländervortrag für den Weltgebetstag vorbereitet, der dieses Jahr aus Vanuatu kommt. Eigentlich hätten wir ihn am letzten Freitag gefeiert, aber wegen Corona ist er nun auf den Freitag vor Pfingsten verschoben worden. Falls sie noch nie von Vanuatu gehört haben (hatte ich bis letztes Jahr auch nicht): es ist ein Inselstaat im Südpazifik. Wunderschön, traumhafte Strände, keine giftigen oder gefährlichen Tiere. Im Grunde ein Paradies. Und die meisten Menschen dort leben von dem, was sie in ihren Gärten anbauen und was die Natur ihnen schenkt. Die wenigsten dort haben ein Auto, es gibt ohnehin kaum Straßen, mit denen man darauf fahren könnte. Aber dieses Land, in dem die meisten Menschen noch im Einklang mit der Natur leben, ist das Land auf der Erde, das am meisten vom Klimawandel bedroht ist, den vor allem die reichen Industrienationen – also auch ich – ihnen mit meinem verschwenderischen Lebenswandel eingebrockt habe. Klar, im Prinzip wusste ich das natürlich, aber es noch mal so deutlich vor Augen geführt zu bekommen, das hat mich in den letzten Wochen ziemlich beschäftigt. „Wie lebst du deinen Glauben?“, war für mich plötzlich mit der Frage verknüpft: „Wie kann ich so leben, dass ich nicht mehr nehme, als ich der Erde zurückgeben kann?“ Und da war es wieder: einerseits der Wunsch: da möchte ich etwas ändern, da will ich ein bisschen mehr Licht ins Dunkel bringen, auf der anderen Seite dieses frustrierende Gefühl: Was kann ich denn schon machen? Nach Vanuatu auswandern und dort einen Garten anlegen?
 
Zufällig stieß ich dann – und ich bin davon überzeugt, es war die volle Absicht Gottes, der mir eine Antwort geben wollte – auf den Bericht von einer Frau, die versucht, möglichst viel von dem, was ihre Familie isst, selbst anzubauen. Also, hier in Deutschland so zu leben wie die Leute in Vanuatu auch: aus dem eigenen Garten. Naja, einen Garten habe ich ja auch. Dafür muss ich ja gar nicht auswandern. Und nächste Woche habe ich Urlaub. Ich werde die Zeit nutzen, um einen Gemüsegarten anzulegen. Und vielleicht ein paar Obstbäume pflanzen. Ich weiß: es ist jetzt nicht die Rettung der Welt, aber vielleicht ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.
 
Wie leben wir unseren Glauben? Mit dieser Frage hatte ich begonnen und mit dieser Frage will ich auch enden. Was mich da gerade umtreibt, habe ich Ihnen ja erzählt.
 
Und ich lade Sie ein, für sich selbst einmal über diese Frage nachzudenken, denn ich denke, dass jeder und jede diese Frage für sich selbst beantworten muss: Was heißt das für mich genau, ein christliches Leben zu führen? Und was ist da im Moment für mich dran? Woran soll ich gerade arbeiten? Sie merken schon: ich glaube nicht, dass man diese Frage ein für allemal beantworten kann, etwa bei der Taufe oder bei der Konfirmation. Ich denke eher, dass sie sich immer wieder neu stellt, denn die Zeiten und Herausforderungen ändern sich und damit auch unser Leben. Eines jedoch hat sich seit den Zeiten des Epheserbriefes nicht geändert und das wird sich auch nicht ändern: egal, wo wir leben oder wann wir leben und unter welchen Verhältnissen wir leben: unser Glaube kann dieses Leben verändern, denn als Kinder Gottes können wir im Licht wandeln und dadurch auch diese Welt verändern – hin zu mehr Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. Möge Gott uns dabei helfen!

Amen


Lassen Sie uns noch einmal beten:

Gott, unser Vater,
 
als deine Kinder dürfen wir in deiner Liebe und deinem Licht leben.

Hilf uns, diese Liebe und dieses Licht weiterzugeben an alle, die uns begegnen.

Wir bitten dich für den Weltgebetstag:

auch wenn er diesmal anders gefeiert wird und wurde als sonst, lass uns trotzdem die ökumenische Verbundenheit spüren, die Stärkung unseres Glaubens und die Taten, die aus ihm erwachsen.

Segne alle, die sich in den Projekten des Weltgebetstags auf der ganzen Welt für die Rechte von Frauen und Mädchen einsetzen.

Mit den Frauen aus Vanuatu bitten wir:

hilf uns, dass wir uns für den Frieden auf der Welt und in unseren Familien einsetzen.

Wir beten, dass wir in Einheit, Liebe und Frieden mit ethnischer und kultureller Vielfalt leben können wie in Vanuatu und vielen anderen Orten auf der Welt.

Wir denken an die Menschen, die von Klimawandel und Naturkatastrophen, Wirbelstürmen und Dürre oder Überschwemmungen bedroht sind:

Starker Gott, beschütze unsere Gemeinschaften vor Katastrophen und Leiden. Heile die Seelen aller Menschen und lass uns deine Liebe spüren.

Mit den Worten deines Sohnes Jesus Christus beten wir gemeinsam:


Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst, niemand ist da, der mir die Hände reicht -
wenn Sie mögen, klicken Sie den Link an, um dieses Segenslied anzuhören oder mitzusingen.



Bleiben Sie unter dem Segen unseres Gottes:
Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen

Eine gute kommende Woche wünscht Ihnen
Ihre Vertretungspfarrerin Sonja Mitze
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