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Gerolstein-Jünkerath
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Unsere aktuelle Andacht

      
Andacht zum 5. Sonntag nach Ostern
- Rogate -
von Pfarrer Roman Hartmann
„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“

Mit diesem Wochenspruch aus Psalm 66,20 begrüße ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, herzlich zu dieser Andacht zum 5. Sonntag nach Ostern, Rogate. „Rogate“ heißt „Betet! Im Gebet bei Gott bleiben ist Lebenshaltung. Wir vertrauen uns ihm an. Unsere Bitten, unser Leiden, unsere Schuld, wir legen sie ihm vor und nehmen sie aus seiner Hand liebevoll verwandelt zurück.

Wir feiern diese Andacht im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.


Lasst uns mit Worten aus Psalm 95 sprechen:

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, Halleluja; noch seine Güte von mir wendet. Halleluja!
(Psalm 66, 20)

Kommt herzu, lasst uns dem Herrn frohlocken und jauchzen dem Hort unsres Heils!
Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen! Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat. Denn er ist unser Gott, und wir das Volk seiner Weide.
(Psalm 95, 1-2.6-7a)


Lasst uns beten:

Schöpfer des Himmels und der Erden, dich preisen alle deine Werke. Lass uns nicht stumm bleiben unter den Geschöpfen, die dich preisen, sondern mach unser Leben zu einem Lobgesang auf deine wunderbare Macht und Güte. Dir sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen


Lesung aus Daniel 9, 4-5.16-19:

Ich betete zu dem HERRN, meinem Gott, und bekannte und sprach: Ach, Herr, du großer und schrecklicher Gott, der du Bund und Gnade bewahrst denen, die dich lieben und deine Gebote halten! Wir haben gesündigt, Unrecht getan, sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden; wir sind von deinen Geboten und Rechten abgewichen. Ach, Herr, um aller deiner Gerechtigkeit willen wende ab deinen Zorn und Grimm von deiner Stadt Jerusalem und deinem heiligen Berg. Denn wegen unserer Sünden und wegen der Missetaten unserer Väter trägt Jerusalem und dein Volk Schmach bei allen, die um uns her wohnen. Und nun, unser Gott, höre das Gebet deines Knechtes und sein Flehen. Lass leuchten dein Angesicht über dein zerstörtes Heiligtum um deinetwillen, Herr! Neige deine Ohren, mein Gott, und höre, tu deine Augen auf und sieh an unsere Trümmer und die Stadt, die nach deinem Namen genannt ist. Denn wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. Ach, Herr, höre! Ach, Herr, sei gnädig! Ach, Herr, merk auf und handle! Säume nicht – um deinetwillen, mein Gott! Denn deine Stadt und dein Volk ist nach deinem Namen genannt.


Liebe Leserinnen und Leser!

Bemerkenswert! Wer von uns betet so? Mit einem Bekenntnis von Schuld? In unseren Gottesdiensten tun wir das, wenn wir sprechen: „Lasst uns den Herrn um sein Erbarmen anrufen.“ Aber geschieht das auch im persönlichen Gebet?

Die Bitte im Gebet kennen wir gut. Auch das tun wir im Gottesdienst. Am Schluss, wenn wir Fürbitte halten und die Not von Menschen in den Blick nehmen. Sie Gott anvertrauen, Gott um Hilfe für sie bitten im Bewusstsein darum, dass dabei immer auch gilt, dass wir seine Hände und Füße sind.
Die Bitte kennen wir auch in unseren persönlichen Gebeten, wenn wir allein mit uns selbst sind, gut. Zu Hause, abends im Bett, beim Spaziergang im Wald, dem Besuch einer Kapelle. Selbst viele, die das Beten eher verlernt haben, beten so. In unserer persönlichen Not, wenn wir nicht weiter wissen, wir selbst keine Mittel mehr haben und auf Hilfe angewiesen sind und in uns die Erkenntnis reift, jetzt gibt es nur noch einen, der helfen kann. Wie viele Stoßgebete werden auch heute wieder zum Himmel steigen?

Unser Dank im Gebet hebt da schon weniger von der Erde ab. In Martin Luthers Morgensegen heißt es: „Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast.“ Schön, wer so beten kann. Ein Lob und Dank auf den Lippen, frühmorgens, wenn ich aufwache und den Tag beginne. Nicht immer im Leben geht das so. Wir kennen die Lebenslagen, da braucht es die Bitte, da können wir nur klagen, so wie es Daniel ja auch tut: „Ach, Herr, du großer und schrecklicher Gott. Neige deine Ohren und höre, tue deine Augen auf und sieh an unsere Trümmer und die Stadt, die nach deinen Namen genannt ist.“ Israel war erobert worden, das Land zerstört, es steht unter Fremdherrschaft. Wenn Menschen ganz unten sind, sie kein Licht mehr sehen, dann kann ihnen Gott auch schrecklich sein. Dann ist ihnen Gott nicht gnädig und barmherzig zugewandt, dann wird er ihnen fremd. Dann bleibt nur die Klage! Wie mögen die Menschen in den zerbombten Städten Syriens beten?
Aber wir? Wir haben so vieles, wofür wir jeden Tag neu Gott danken können!

Luthers Morgensegen geht noch weiter. Nach dem Dank kommt auch bei ihm die Bitte: “... und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, dass dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.“
Aber was ist das für eine Bitte!? Bewahre mich vor allem Übel, das auch, aber eben auch, behüte mich, dass dir all mein Tun und Leben gefalle, behüte mich vor Sünde! Auch bei ihm geht es um Schuld, unsere Schuld. So wie auch Jesus lehrte zu beten, die Bitte im Vater Unser: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Nur, außerhalb des Vater Unsers, da kennen wir in unseren persönlichen Gebeten das Bekenntnis von Schuld nicht so sehr. Bitte, Dank, Klage, aber Schuld?
Mag das daran liegen, dass wir uns zumeist nicht schuldig fühlen? Es ist gerade nicht dran. Keinen ermordet, wir stehlen nicht, dealen auch nicht mit Drogen. Aber auch das soll es ja geben, dass da einer im Drogen dealen keine Verbrechen und darum auch keine Schuld sieht. Wie auch viele keine Schuld im Ehebruch sehen. Aber Schuld ist ein Thema unseres Lebens. Auch wenn wir meinen, es ist jetzt nicht dran. Wer meint, ohne Schuld zu sein, darf jetzt gerne die Hand heben. Wer meint, in Zukunft ohne Schuld zu bleiben, darf das jetzt auch gerne tun.
Daniel in seinem Gebet bekennt Schuld. Und dass Israel so daniederliegt, sieht er als Folge dieser Schuld. Es wird nichts mehr schön geredet. Gott konnte nur zornig sein. Und sie bekommen es zu spüren. Hineingerannt haben sie sich selbst. Aber da wird nicht zugedeckt. Da ist nicht Liebe, die einfach alles hinnimmt. Da ist kein Vergeben, ohne dass ich nicht in mich gehen muss. Was habe ich getan! Mehr möchte ich da auf Daniel und Israel nicht eingehen. Eroberung, Zerstörung und Fremdherrschaft ist unser Thema nicht.
Schuld und Vergebung schon.

Manche mögen es nicht, dass wir in unserer Gemeinde den Gottesdienst mit einem Schuldbekenntnis beginnen. Sie mahnen an, dadurch würde der Mensch klein gemacht. Immer zuerst der Daumen drauf. Es ist nicht zu leugnen, dass die Kirche in der Vergangenheit mit Drohungen von Strafe und Gericht, den Menschen klein gehalten hat. Aber wenn Schuld ein Thema in unserem Leben ist, dann muss es seinen Ort auch in unseren Gebeten haben, nur eben so, dass wir darin das befreiende Wort Gottes hören.

In einer Predigt habe ich zu dem, was beim Beten überhaupt geschieht, folgende Worte gehört:
„Das Wichtigste beim Beten ist das Vergeben. Beten heißt vergeben. Das gilt im wahrsten Sinne des Wortes: Gott geben, was wir wünschen, was wir bitten, worunter wir leiden, womit wir nicht fertig werden. Gott nimmt es und verwandelt es in seiner Liebe und gibt es uns so zurück, wie wir es brauchen und tragen können. Menschen, die beten, können loslassen, Gott geben, ihm anvertrauen und aus seiner Hand liebevoll verwandelt zurück nehmen. Beten heißt vergeben, sich erleichtern, Gott mit einbeziehen in unser Leben, damit er mit trägt und uns hilft.
Wer nicht mehr beten kann, ist eigentlich schlimm dran. Er behält alles bei sich, was ihn quält, wonach er sich sehnt; er hat niemanden, der mit trägt. Darunter kann einer zerbrechen. Jesus lädt uns ein, zu Gott zu beten und mit ihm unser Leben zu teilen.“

Gott geben, ihm anvertrauen und aus seiner Hand liebevoll verwandelt zurück nehmen. Darin hat auch das Bekenntnis unserer Schuld Platz und wir können Befreiung erfahren. Wir können vor Gott liegen mit unserem Gebet und sprechen: Wir vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. Denn wir werden nicht klein gemacht, sondern wir werden, ganz im Gegenteil, wieder groß gemacht.
In der zitierten Predigt hat der Prediger auch noch folgendes gesagt. Das möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:
Beten heißt vergeben, ein Vergeben an Gott. Aber Beten ist auch ein Nehmen, ein Vernehmen von Gott. Im Beten lernen wir, mit Gottes Augen zu schauen, mit seiner Liebe die Menschen zu lieben. Wir neigen ja dazu, nur unsere eigene jeweilige Erfahrung gelten zu lassen. Wir sind beschränkt und behindert in unserer Wahrnehmung von Welt. Darin liegt auch unsere Schuld. Aber mit den Augen Gottes betrachtet weitet sich der Horizont. Die Sicht der anderen, die unter uns leiden, kommt auch in Betracht. Im Beten vernehme ich von Gott all die Klagen der anderen, ihre Sicht der Dinge, ihre Wünsche und Sehnsüchte. Deshalb ist Beten so wichtig. Im Gebet begegnen sie mir, vernehme ich sie aus der liebevollen und behutsamen Sicht Gottes. Darum heißt Beten: sich für die Liebe engagieren lassen, sich um Durchsetzung von Frieden und Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung bemühen.“

Amen


Lasst uns beten:

Unser Gott, du bist im Himmel und auf Erden mitten unter uns. Du ermutigst uns, dich um das zu bitten, was wir brauchen. Daher bitten wir für unsere Welt um Liebe, Gerechtigkeit und die Bewahrung unserer Erde. Du erfüllst nicht alle Wünsche, aber du erfüllst Menschen mit Kraft. Gib uns von deiner Kraft.

Gott, du lädst uns ein, dich zu suchen. Doch bei Krankheit, Schmerz und Tod, wenn der Himmel sich verdunkelt, wissen wir nicht, wo wir dich finden können. Wir bitten dich: Zeige dich den Suchenden. Schenke uns Trost und Vertrauen.

Gott, du sagst, wir sollen anklopfen, dann öffnen sich Türen. Hilf uns, mutig auf andere zuzugehen, ohne sie zu vereinnahmen. Schenke uns Offenheit für Veränderungen, aber auch Momente der Ruhe und der neuen Ausrichtung auf dich.

Das bitten wir durch deinen Heiligen Geist und beten gemeinsam mit den Worten deines Sohnes Jesus Christus:


Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen
 

Mit Gottes Segen lasst uns in die kommende Woche gehen:

Der Herr segne dich und behüte dich!
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei dir gnädig!
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!

Amen


Eine gute kommende Woche wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Roman Hartmann
Unsere Andacht zum Anhören
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