Wochenandacht - EVKIGER

Evangelische Kirchengemeinde
Gerolstein-Jünkerath
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Unsere aktuelle Andacht

      
  Andacht zum 5. Sonntag nach Trinitatis

von Prädikantenanwärter Hardy Warneke
      
Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.
(Epheser 2,8)

Mit diesem Wochenspruch aus dem Brief des Apostel Paulus an die Epheser begrüße ich Sie ganz herzlich zu unserer Webandacht am heutigen 5. Sonntag nach Trinitatis. Stand der vergangene Sonntag ganz unter dem Zeichen der Nächstenliebe, erfahren wir heute, dass Gott uns zu etwas gebrauchen kann, allerdings nicht wegen unserer guten Eigenschaften sondern ausschließlich durch die Gnade des HERRN.

Amen

Lasst uns aus dem Psalm 73 beten

Dennoch bleibe ich stets an Dir; denn Du hälst mich bei meiner rechten Hand. Du leitest mich, Herr, nach Deinem Rat und nimmst mich am Ende in Ehren an. Wenn ich nur Dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, So bist Du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott, dem Herrn, dass ich all Dein Tun verkündige.          
(Psalm 73, 23-26,28)

Lasst uns beten

Allmächtiger Gott, Deine Botschaften folgen nicht immer menschlicher Logik. Dennoch vertrauen wir auf deine Liebe und Gnade, die durch das Kreuz Jesu Christi offenbar wurden. Wir danken dir, dass du dir Menschen suchst, denen du dich mitteilst und die du einweist in deine Pläne mit dieser Erde. Auch uns traust du zu, die Welt nach deinem Willen heilsam zu verändern, durch unsern Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen

Der heutige Predigttext steht im Evangelium bei Lukas im 5. Kapitel, es sind die Verse 1 bis 11.

Der Fischzug des Petrus

Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth. Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken. Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.


Liebe Leserinnen und Leser.

Es ist wirklich zum Heulen. Die Geschichte, die wir gerade aus dem Evangelium gehört haben, ist einfach nur traumhaft, und zwar in vielerlei Hinsicht. Dennoch könnte ich heulen, wenn ich allein über den Anfang dieser Geschichte nachdenke: „als die Menge sich zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes!“
Was für ein Traum aus heutiger Sicht, liebe Schwestern und Brüder. Ich stelle mir vor, Menschenmengen drängen in die Kirche, um den Worten unseres HERRN zu lauschen. Wenn ich so an die vergangenen Jahre hier zurückdenke, ist das für mich leider nicht mehr so wirklich vorstellbar. Fairerweise muss ich natürlich auch zugeben, dass die Corona Krise aktuell das ihre zu den leeren Kirchen beiträgt, aber, um ganz ehrlich zu sein – die Anzahl unserer Gottesdienstbesucher war davor auch nicht bedeutend höher und ist in den letzten Jahren immer weiter runtergegangen, gleichzeitig sind aber die Kirchenaustritte stark angestiegen - leider! Die Frage, woran das liegen kann, ist gar nicht so einfach zu beantworten, liebe Gemeinde. Natürlich kann man sagen, das läge an unserer heutigen Gesellschaft, das aber wäre viel zu einfach und zu pauschal. Der Glaube und die Kirche haben eine Trendwende erfahren, aber nicht von jetzt auf gleich, vielmehr war oder ist das immer noch ein schleichender Prozess. Es fehle an Attraktivität, bekomme ich in vielen Gesprächen zu diesem Thema immer wieder zu hören. Ja, heute muss alles attraktiv sein, sonst ist es uninteressant. Dazu kommt aber noch etwas anderes. Sehr viele Menschen sind, wie man heute so schön sagt: „busy“, sprich beschäftigt, denn sie haben immer etwas um die Ohren, denn nicht nur bei der Arbeit sondern mittlerweile auch in der Freizeit, „müssen“ viele von uns, und das ganz unbewusst, ständig erreichbar sein, unterliegen einem gewissen Leistungs- und Erfolgsdruck und finden keine Zeit mehr für den Glauben und auch für die Kirche. Beides passe ja eigentlich auch gar nicht mehr so recht in unser Leben, sind eben doch alles alte Kamellen, hört man den Einen oder die Andere sagen.
Busy waren auch die Fischer in unserem Predigttext, als Jesus, gefolgt von der Menschenmenge, am See Genezareth erschien. Diese Fischer waren nach einer wahrscheinlich langen und, wie wir hörten, erfolglosen Nacht, an diesem Morgen gerade dabei, ihre Netze von allerlei Unrat zu befreien und zu säubern, um diese entsprechend für den den nächsten Einsatz vorzubereiten. Hätte Jesus sich am Ufer niedergelassen und zu der Menschenmenge gesprochen, dann könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass diese Fischer nicht einmal Notiz vom Christus genommen hätten, so busy, wie sie eben waren.
Jetzt passiert aber etwas, wovon ich als gläubiger Mensch und Christ nur träumen kann, denn Jesus wählt sich einen dieser Fischer aus, weil der Retter der Menschen etwas ganz besonderes mit diesem vorhat und steigt in dessen Boot, ja er betritt sozusagen dessen Lebensschiff und bittet diesen Fischer mit Namen Simon Petrus, von Mensch zu Mensch, ihn etwas vom Ufer entfernt auf den See zu fahren, um so vermutlich besser zu der Menschenmenge sprechen zu können.
Gleichzeitig aber, und das ist viel bedeutender an dieser Stelle, reißt Jesus diesen Simon Petrus aus dessen Trott heraus und macht ihn so automatisch mit zu einem seiner Zuhörer, als er beginnt, zu der Menschenmenge zu sprechen und das Wort Gottes zu verkünden. Und als Jesus fertig ist mit seiner Verkündigung, fordert er seinen Bootsgenossen auf, noch einmal auf den See an die tiefste Stelle hinaus zu fahren, um noch erneut auf Fischfang zu gehen. Trotz der Erfahrung als Fischer, trotz der leeren Netze der vergangenen Nacht, kommt Simon Petrus der Anweisung Jesu mit dem Kommentar nach: „auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen!“ Der Fischer hat also vollstes Vertrauen in Jesus, was wahrscheinlich an einer früheren Begegnung mit Christus festzumachen ist. Am Ende des 4. Kapitels des Lukasevangeliums können wir nachlesen, dass Jesus die Schwiegermutter von Simon Petrus vom Fieber befreit und dadurch wieder gesund gemacht hat, wahrscheinlich mit einer der Gründe, warum der Fischer der Aufforderung des Heilands, ohne weiteres Zögern, umgehend nachkommt. Und dann das Wunder, die Netze sind richtig voll gefüllt, so voll, dass sie fast reißen und alle Fischer mithelfen müssen, diesen großartigen und wohl einmaligen Fang zu retten. Ja, und in der Erkenntnis, dass dieser Fang mehr als außergewöhnlich, ja geradezu göttlich ist, wirft Simon Petrus sich vor Jesus auf die Knie und behauptet von sich selbst, dass er ein sündiger Mensch sei. Er hat für sich erkannt: Er steht mit Jesus nicht neben einem Menschen wie er selbst, sondern er steht als Sünder Gott gegenüber.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, liebe Schwestern und Brüder, wenn ich etwas provozierend oder provokant diese Frage in den Raum stelle: Sind wir nicht alle Sünder?! Um Sie gleich wieder zu beruhigen, werfe ich hier niemandem vor, auch mir nicht, gesündigt zu haben, aber wir kennen doch Gottes Überzeugung von uns Menschen aus der Genesis, dem 1. Buch Mose, wo wir im 8. Kapitel im Vers 21 lesen: denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf! Wir Menschen, liebe Gemeinde, sind eben nicht Gott und somit Sünder, aber deshalb keine schlechten Individuen, sondern nur anders als Gott. Nichts anderes erklären wir vor Gott, wenn wir im Gottesdienst gemeinsam unser Sündenbekenntnis beten.
Petrus stuft sich selbst als sündigen Menschen ein, denn nachdem er die Wundertaten Jesu selbst miterlebt hat, erkennt er, wer tatsächlich neben ihm steht. Petrus nimmt die Macht Gottes, die durch Jesus verkörpert ist, förmlich wahr und zeigt durch seine Demut, wie klein und sündig er sich in diesem Augenblick zu fühlen scheint. Petrus und auch dessen Freunde Jakobus und Johannes waren dermaßen erschrocken über diese Erkenntnis, dass Jesus sie direkt auffangen musste und zu Petrus sagte: „Fürchte Dich nicht, aber jetzt sollst Du Menschen fangen. Ich gebe zu, dieser Begriff „Menschenfang“ hört sich nicht gerade positiv und freundlich an, aber es ist für uns gläubige Christen gerade heute wichtiger, denn je, Menschen vielleicht nicht zu fangen aber zu führen! Und wohin zu führen, etwa in die Kirchen, oder vielleicht für die Gemeinschaft zu werben? Nein, die Aufgabe, die Jesus für Petrus vorgesehen hatte und die wir als Christen heute noch haben, ist, Menschen zu Gott unserem HERRN zu führen und diese Menschen dadurch zu retten. Petrus und seine Freunde haben in ihrem Glauben und aus voller Überzeugung alles stehen und liegen lassen, den prächtigen Fischfang, vielleicht sogar die eigenen Familien, um Christus auf dessen Weg zu folgen. Der Glaube macht das Unmögliche möglich, er versetzt Berge, wie wir immer sagen, und der Glaube gibt Hoffnung und Überzeugung. Der Glaube ist eine Tugend, genau wie der Gehorsam, gestützt auf absolutes Vertrauen. Wir, liebe Schwestern und Brüder, die wir heute diese Andacht gemeinsam lesen und hören, wir wären nicht hier auf unserer Webseite, wenn das nicht auch unsere Überzeugung ist. Aber was ist mit den anderen vielen Menschen, die nicht im Glauben leben oder etwas mit dem Glauben anfangen können. Die Frage ist, wie kommen diese Menschen zum Glauben? Sie werden es sicherlich verstehen, liebe Schwestern und Brüder, dass ich jetzt nicht direkt ein Patentrezept verkünden werde, da es dieses Rezept für uns so einfach nicht gibt. So unterschiedlich wir Menschen sind, so unterschiedlich kommen wir auch zu Gott. Wir kommen zu Gott, weil Gott auf uns zukommt, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Allerdings ist es heutzutage herausfordernder, denn wir können nicht mehr davon ausgehen, dass die Kinder kommender Generationen weiterhin in die Religion hineinwachsen. Und was ist mit denen, die sich von Gott abwenden, weil sie keinen Sinn im Glauben an Gott erkennen. Sich im Warten auf Gott im eigenen Lebensschiff auf die Lauer zu legen und darauf zu warten, dass Gott auf uns zukommt und vor unseren Augen ein Wunder vollbringt, so, wie es in unserem heutigen Predigttext steht, auch das halte ich für unwahrscheinlich. Wir selber können uns auf Gott einlassen, indem wir anderen Gutes tun und Nächstenliebe vorleben. Es sind immer die kleinen Dinge, die Großes bewirken können. Im Vertrauen auf Gott und mit Gottes Hilfe sind wir nie allein und haben die Chance auf Erlösung und das Reich Gottes, auf dass wir gerettet werden.
Ich wiederhole mich gern, liebe Gemeinde, wenn ich von einem Traum spreche, aber ist es nicht wirklich traumhaft, einfach mal raus aus unserem Trott, alles stehen und liegen lassen, einfach nur auf das Wesentliche konzentrieren, in uns zu gehen, uns selbst zu erkennen, wer wir sind und wo wir stehen. Uns zu Gott zu bekennen und inneren Frieden haben, das wünsche ich uns allen.

Amen
Lasst uns beten

Barmherziger Gott, mit deinem mächtigen Wort willst du auf dieser Erde wirken durch Menschen, die auf dich hören. Öffne unsere Ohren für deine Botschaft und bereite unser Herz, dass wir tun, was du vorhast, und gehen, wohin uns die Nachfolge Jesu führt.

Du hast uns gerufen und gesandt zu den Menschen, die wir antreffen auf unseren Wegen. Du hast dein Werk in unsere Hände gelegt und dein Wort in unseren Mund gegeben. Sei unter uns gegenwärtig mit deiner Liebe.

Hilf uns um der Menschen willen, ein Zeugnis deiner Demut zu werden und Zeichen deiner Güte zu setzen. Hilf uns zum Tragen. Hilf uns, zu verzeihen. Hilf uns, zu trösten.

Schicke Licht in die Dunkelheiten dieser Welt und führe uns zur Klarheit, wo Macht missbraucht wird und Verhältnisse undurchschaubar gehalten werden. Lass unsere Hoffnung glaubwürdig sein. Vergib den Schuldigen und stärke besonders die Müden und Abgekämpften.

Und so beten wir miteinander und füreinander so, wie es uns unser Herr Jesus Christus gelehrt hat:

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Mit dem Segen Gottes lasst uns in die kommende Woche gehen

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen

Ich wünsch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, einen guten Start in eine gesunde und gesegnete Woche.

Ihr Hardy Warneke
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