Wochenandacht - EVKIGER

Evangelische Kirchengemeinde
Gerolstein-Jünkerath
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Unsere aktuelle Andacht

      
Andacht zum 2. Sonntag nach Epiphanias
von Prädikantenanwärter Hardy Warneke
mit freundlicher Unterstützung von Matthias Kreimer an der Orgel

Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.
(Johannes 1, 16)

Mit diesem Spruch der Woche aus dem Johannesevangelium begrüße ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, recht herzlich zu dieser Wochenandacht.
Eigentlich wollten wir an diesem Sonntag, dem 2. Sonntag nach Epiphanias, die Türen unserer Erlöserkirche wieder für Sie öffnen, um endlich wieder gemeinsam Gottesdienst feiern zu können, haben uns aber dann doch wegen der erweiterten Beschränkungen durch Corona schweren Herzens entschlossen, noch bis zum Ende dieses Monats davon Abstand zu nehmen. Seien Sie gewiss, dass wir alles daran setzen, um mit geeigneten Änderungsmaßnahmen in Sachen Hygienekonzept, die Gottesdienste mit Präsenz in unserer Erlöserkirche so schnell wie möglich wieder aufzunehmen und dafür bitten wir um die Gnade und Barmherzigkeit unseres HERRN und feiern diese Andacht im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.


Amen


Lasst uns mit Worten aus Psalm 105 beten:

DANKET DEM HERRN und rufet an seinen Namen;
verkündigt sein Tun unter den Völkern!
Singet ihm und spielet ihm,
redet von allen seinen Wundern!
Rühmet seinen heiligen Namen;
es freue sich das Herz derer, die den HERRN suchen!
Fraget nach dem HERRN und nach seiner Macht,
suchet sein Antlitz allezeit!
Gedenket seiner Wunderwerke, die er getan hat,
seiner Zeichen und der Urteile seines Mundes,
du Geschlecht Abrahams, seines Knechts,
ihr Söhne Jakobs, seine Auserwählten!
Er ist der HERR, unser Gott,
er richtet in aller Welt.
Er gedenkt ewiglich an seinen Bund,
an das Wort, das er verheißen hat für tausend Geschlechter.

Amen

Lasst uns beten:


Gütiger und barmherziger Gott,

mit deiner Herrlichkeit wird unser Leben zu einem Fest, auch wenn wir in diesen schwierigen Zeiten eher an Mangel und Verzicht denken. Lass uns deine Wunder spüren und gibt uns Kraft, all das, was uns in dieser Zeit widerfährt, durch Deine Gnade zu überstehen.
Darum bitten wir dich durch Deinen geliebten Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen

Der Predigttext für diese Andacht steht im Evangelium bei Johannes im 2. Kapitel, es sind die Verse 1 -11.

Die Hochzeit zu Kana

Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt's dem Speisemeister! Und sie brachten's ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten's, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.


Liebe Leserinnen und Leser,

ein Leben in Hülle und Fülle - ist das nicht traumhaft?

Dieser Gedanke kommt mir direkt in den Sinn, wenn ich an die Geschichte von der Hochzeit zu Kana denke.
Es wird Hochzeit gefeiert, wie für viele von uns ein ganz besonderes Fest, mit allem, was dazu gehört. Wir haben, wenn wir an eine Hochzeit denken, ganz bestimmt sehr viele Bilder im Kopf, vor allem sehen wir eine wunderschön geschmückte Braut vor uns und einen Bräutigam, der seine ihm geschenkte Frau förmlich anhimmelt, und natürlich viele Gäste, die zu diesen Feierlichkeiten eingeladen worden sind.

Dass in unserem Predigttext das Brautpaar gar nicht als solches genannt oder beschrieben wird, gerade einmal wird der Bräutigam so ziemlich am Ende des Textes erwähnt, wenn dieser von seinem Speisemeister ein wenig provokant auf die Qualität des frisch produzierten Weines angesprochen wird, ist sicherlich keine Nachlässigkeit des Erzählers. Nein, liebe Leserinnen und Leser, es ist ihm wahrscheinlich gar nicht so wichtig, denn das Fest der Hochzeit ist vermutlich eher Mittel zum Zweck und nicht der Kern der Botschaft unseres Evangelisten.
Die einzigen Anwesenden, die der Erzähler nennt und damit hervorhebt sind Maria, die Mutter Jesu, Jesus selbst und natürlich seine Jüngerinnen und Jünger, die in dieser Zeit ja ständig mit ihm waren. Hochzeiten wurden zu dieser Zeit in einem sehr großen Kreis gefeiert und das verlangte sicherlich immer enorme Vorbereitungen und logistische Perfektionen, derartige Feste auszurichten, denn es sollte ja für alle immer genug und eher reichlich zu Essen und vor allem zu Trinken bereit stehen. Wie viele Gäste bei unserer Hochzeit zu Kana anwesend waren, können wir nur vermuten, aber denken wir an die 6 steinernen Krüge, die vielleicht insgesamt 600 bis 700 Liter Wasser fassten, dann stelle ich mir die Hochzeitsgesellschaft doch recht groß vor, denn dieses Wasser musste für die Hand- und Fußwaschungen vor und nach dem Essen für alle Gäste reichen.
Und während die Feierlichkeiten in vollem Gange sind, scheint die ganze Hochzeit zu kippen, da der Wein ausgegangen ist. Alle Gäste sitzen quasi auf dem Trockenen, was für eine Vorstellung. Ja, liebe Leserinnen und Leser, und jetzt passiert etwas für mich Außergewöhnliches. Maria, die Mutter Jesu, von der niemand weiß, ob sie als Gast oder als eine Art Servicekraft auf diesem Fest zugegen ist, wendet sich an ihren Sohn und weist ihn auf den Umstand mit dem ausgegangenen Wein hin. Normalerweise hätte sie sich doch sicherlich an die Dienerschaft oder direkt an den Speisemeister gewandt, aber nein, sie wendet sich an ihren Sohn, selbst sicher nur ein Gast. Und dann, und daran stoße ich mich, immer wenn ich diese Geschichte lese, lautet die Antwort von Jesus in einer, wie ich finde, doch sehr schroffen Art: „Was habe ich mit Dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Eine intakte Mutter-Sohn-Beziehung sieht für mich anders aus. Und doch ist da etwas zwischen Jesus und seiner Mutter! Irgendetwas schwingt da zwischen diesen beiden, denn ansonsten kann ich mir nicht erklären, warum sich Maria umgehend an die Diener des Festes wendet und sie anweist, auf das zu hören und vor allem das zu tun, was Jesus ihnen aufträgt. Es ist vermutlich das uneingeschränkte Vertrauen, das Maria in ihren Sohn setzt, denn sie ist überzeugt davon, dass er das Richtige tun wird, um das Fest zu retten, was Jesus ja dann auch fertigbringt, indem er das Wasser in den 6 frisch gefüllten Steinkrügen in einen Spitzenwein, so die Bewertung durch den Speisemeister, verwandelt. Dadurch rettet Jesus dieses Fest nicht nur, nein, er veredelt diese Hochzeit sogar, und das ganz bescheiden im Hintergrund, ohne ein Zeremoniell oder Ähnlichem.

Für mich ist das mehr als das „Happy End“ einer Geschichte, für mich ist das ein wundervoller Grundgedanke: Jesus als Retter in der Not.

Diese Hochzeit, von Menschenhand gemacht, sie spiegelt doch nicht mehr als unser Leben wider: immer alles gut vorbereitet, aber schließlich doch unvollkommen.
In vielen Texten aus dem Alten Testament wird berichtet, dass die Menschen alles dafür getan haben, um vor Gott recht dazustehen, denken wir nur an die Reinigung der Füße und der Hände vor und nach den jeweiligen Mahlzeiten oder auch: welche Art von Brot oder Fleisch zu welcher Zeit verzehrt werden durfte. Und dann passiert doch das Unvorhergesehene, das nicht Geplante, vielleicht sogar etwas Schicksalhaftes, das man nicht einkalkuliert hat und es fehlt plötzlich etwas Elementares. Beispielhafter hätte Johannes diese Geschichte für uns nicht dokumentieren können.
Ja, liebe Leserinnen und Leser, es ist wie in unserem richtigen Leben, wenn wir feststellen, dass uns etwas fehlt, wir etwas vermissen, vielleicht ausgebrannt sind und uns leer fühlen. Aber denken wir noch einmal an die Hochzeitsfeier zu Kana und was da passiert ist. Jesus ist da und hilft, ohne, dass er darum gebeten wird. Wie bereits erwähnt, rettet Jesus diese Feier nicht nur, nein, er überschwemmt sie mit sehr gutem Wein, er bringt quasi Fülle in die Feier, ohne dass irgendjemand etwas dafür tun musste, so, wie Jesus auch Fülle in unser Leben bringt, ohne, dass wir etwas dafür tun müssen. Mit ihm ist eine neue Ära für uns christgläubige Menschen und damit eine neue Zeit des Heils angebrochen. Gott hat seinen Sohn zu uns in die Welt gesandt, um uns Menschen nicht nur Heil sondern auch Fülle zu bringen.
Nur, welche Art von Fülle bringt Jesus in unser Leben?
Ich bin überzeugt, es ist die Gnade für uns Menschen, die Gott uns schenkt und die schier unendlich ist. Ein wahrlich äußerst kostbares Geschenk, das nie an Wert verliert, sondern eher an Wert zunimmt, weil es sich vermehrt. Aber nicht nur die Gnade Gottes, auch Glaube, Hoffnung, Zufriedenheit und Nächstenliebe füllen mein Leben. Allerdings gestehe ich mir ein, dass ich mir erst durch das Erkennen von persönlichem Mangel dieser Lebensfülle immer wieder bewusst geworden bin, denn auch Mangel gehört zu unserem Leben dazu, und Mangel hilft oftmals, uns die Augen zu öffnen.

Ich stelle mir allerdings die Frage, was jeder oder jede Einzelne von uns wirklich unter Mangel versteht. Viele von uns assoziieren mit Mangel fehlendes Geld, vielleicht sogar bis hin zu Armut. Sicherlich ist auch der Verlust eines geliebten Menschen, gerade in der heutigen Zeit, ein echter Mangel, verbunden mit einer großen Angst, was denn die Zukunft noch so mit sich bringt.
In der augenblicklichen Situation, in der wir uns alle durch die Corona-Pandemie befinden, herrscht nach meinem Dafürhalten ein besonders großer Mangel an Vertrauen. Jesus hat mit seiner ersten Wundertat auf dieser Hochzeitsfeier zu Kana gezeigt, was alles möglich ist, wenn wir im Vertrauen bleiben. Seine Jüngerinnen und Jünger und auch seine Mutter hatten dieses Vertrauen, sie haben an ihn geglaubt, so schreibt es Johannes in seinem Evangelium.
Schaffen wir es, in unserem Vertrauen und Hoffen zu bleiben, auch wenn auf uns von außen sehr viele negative Ereignisse und immer wieder auch Besorgnis erregende Nachrichten hereinbrechen, dann bin ich mir sicher: wir leben in einer ganz besonderen und sehr kostbaren Fülle, denn Gott schenkt uns seine Gnade und seine Liebe.
Führen wir uns das immer wieder vor Augen. Öffnen wir unsere Herzen. Vertrauen wir und hoffen wir auf Gott, unsern HERRN!

Ich bin  überzeugt davon, dass mit Gott an meiner Seite, mein Leben ganz einfach Wunder-voll ist und das wünsche ich von ganzem Herzen auch Ihnen.

Amen


Lasst uns beten:

Gütiger Gott,

durch deine Gnade und durch deine Liebe werden wir aufgefangen und von dir getragen. Du schenkst uns Zuversicht und gibst unserem Leben Fülle wie kein Anderer.

Wir bitten dich für diejenigen, die Angst davor haben, zu kurz zu kommen und im Mangel dazustehen.
Erscheine ihnen mit deiner Herrlichkeit und lass sie erkennen, worauf es  im Leben wirklich ankommt.

Wir bitten dich für diejenigen, die in diesen Zeiten weder ein noch aus wissen, weil sich ein Berg an Sorgen vor ihnen angehäuft hat.
Schenke ihnen den Willen und die Kraft, diesen Berg Stück für Stück wieder abtragen zu können.

Wir bitten dich für diejenigen, die krank sind oder sogar im Sterben liegen, sei es mit oder ohne Corona.
Schenke ihnen dein Licht und die Überzeugung, dass unser Leben nicht an den Gräbern endet und durch dich ewiglich wird.

Wir bitten dich für alle Kinder, die in Armut leben oder denen Gewalt angetan wird.
Weise ihnen eine Perspektive für ihr Leben, damit auch sie deine Fülle zu spüren bekommen.

Lasst uns gemeinsam mit den Worten beten, die uns dein lieber Sohn gelehrt hat:

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen


Mit dem Segen Gottes lasst uns in die kommende Woche gehen:

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser,
alles erdenklich Gute und passen Sie auf sich und andere auf.
Vor allem aber:
Bleiben Sie bitte gesund!

Ihr Hardy Warneke
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