Wochenandacht - EVKIGER

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Gerolstein-Jünkerath
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Unsere aktuelle Andacht

      
  Andacht zum 20. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Roman Hartmann
„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“.
(Micha 6,8)

Mit diesem Wochenspruch begrüße ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, herzlich zu dieser Andacht zum 20. Sonntag nach Trinitatis. Wie verhalten sich menschliche Freiheit und Gottes Gebote zueinander? Gebote, Gesetze, Regeln, sie sind dazu da, dass das Zusammenleben sowie auch das Leben für jeden einzelnen gelingen kann.  Ohne Gebote und dass wir uns daran halten bräche das Chaos aus.  Gebote müssen allerdings auch einsichtig sein und nicht immer reicht ein stures Befolgen von Geboten zum Gelingen des Lebens aus. Sie erfordern einen menschengerechten Umgang mit ihnen und manchmal kann es dafür auch nötig sein, gegen Gebote zu verstoßen.

Lasst uns mit Worten aus Psalm 19 sprechen:

So spricht der Herr: Ich will meinen Geist in euch geben und solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.
(Hesekiel 36,27)

Das Gesetz des Herrn ist vollkommen und erquickt die Seele. Das Zeugnis des Herrn ist gewiss und macht die Unverständigen weise. Die Befehle des Herrn sind richtig und erfreuen das Herz. Die Gebote des Herrn sind lauter und erleuchten die Augen.
(Psalm 19,8-9)

Lasst uns beten:

Du sagst uns, was gut ist, Gott. Du siehst, hörst und lässt dich berühren vom Leben auf dieser Erde. Du liebst, hilfst und zeigst uns die Wege, Freiheit zu achten, Gerechtigkeit zu üben, Liebe zu geben. Komm, Heiliger Geist, in Klarheit und Kraft. Richte uns aus auf den Wegen des Lebens. Das bitten wir durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen.

Der Predigttext steht im Markusevangelium 2,23-28:

Es begab sich, dass Jesus am Sabbat durch die Kornfelder ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist? Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, da er Mangel hatte und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren? Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. So ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.

Liebe Leserinnen und Leser!

Als Kind, ich gebe es zu, habe ich sie nicht gemocht, die Sonntagnachmittagsspaziergänge mit der Familie im Wald. Im Nachhinein verstehe ich gut, welche Erholung und Freude der Gang durch die Natur mit der Familie gerade für meinen Vater gewesen sein muss, der als Bergmann während der Woche Untertage arbeiten musste und uns Kinder gerade mal Abends zu Gesicht bekam. Schön, dass uns Gott diesen Tag gegeben hat, für die Juden der Sabbat, für uns Christen der Sonntag, der Tag der Freiheit, wo uns Zeit geschenkt ist ganz für uns selbst, Zeit zum Genießen, Zeit für Freunde und Familie, Zeit zum Beten und Ruhen auch, um mit Gott ins Gespräch zu kommen und uns zu ihm hin zu bewegen, dem Schöpfer und Erhalter des Lebens. Ihn zu feiern heilt unser gehetztes Leben.

Sonntagnachmittag, es war auch die Zeit für Besuche, zu Freunden und Verwandten. Auch das ist eine Erinnerung aus meiner Kindheit, durchaus noch heute mit Bildern der Erlebnisse gefüllt. Ich wäre damals lieber zu Hause geblieben und hätte Fernsehen geschaut. Was wäre mir davon in Erinnerung geblieben?

Vom Kind dann in das jugendliche Alter hineingewachsen, sind mir die Sonntage vor allem als der Tag des lange Schlafens bis in die Mittagszeit hinein in Erinnerung. Das war herrlich!
Ein herrlicher Tag mag es damals auch für die Jünger Jesu gewesen sein. Ein Tag des Wohlfühlens. Zeit für sich selbst, Zeit zum Genießen am siebten Tag der Woche, dem Sabbat, aus dem Alltag herausgenommene Zeit, worin der Mensch bei sich selbst und bei Gott zu Hause ist. Die Jünger spazieren durch die Kornfelder und ich stelle mir einen warmen, sonnigen Tag vor. Vertieft in freundschaftlichem Gespräch greifen die Jünger nahezu gedankenlos in die Ähren. Das Korn ist reif. Sie zerreiben sie und essen.
Ein herrlicher Tag. Jede und jeder kann`s nachvollziehen, die vielleicht ähnlich an einem Spätsommertag auf Feldwegen inmitten reif stehender Getreidefelder spazieren gegangen sind. Mit freundlicher Begleitung, vertieft in inniges Gespräch. Die Arme ausgefahren und die Hände gleiten über die vollstehenden Ähren. Aus dem Alltag herausgenommene, besondere, gefüllte Zeit.

Doch was an jedem Werktag ohne Aufsehen zu erregen möglich gewesen wäre, am Sabbat ruft es die Gesetzeshüter auf den Plan. Ährenraufen ist Erntetätigkeit und Arbeiten ist am Sabbat verboten. Das Gesetz, es ist ja doch die gute Gabe Gottes für uns Menschen, das uns Orientierung verleiht, das die Richtung anzeigt, was zu tun ist, dass das Leben in der Gemeinschaft und für jede und jeden einzelnen in ihr gelingt. Wo führt es hin, wenn zunächst einige und dann vielleicht immer mehr sich nicht daran halten? Niemand wird es bestreiten, wo wir wieder davon hören, dass einer mit 130 km/h, wo 70 angezeigt waren, aus der Kurve geflogen ist und noch drei andere mitgenommen hat, dass Regeln sinnvoll sind und Übertretung zu keinem guten Ende führen kann. Aber was heißt das für das Sabbatgebot, dem nach Luthers kleinen Katechismus dritten Gebot, „du sollst den Feiertag heiligen“?

Die Pharisäer fragen Jesus: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist?“ Jesus antwortet mit einer Geschichte. Als David und die bei ihm waren, in großer Not waren, übertrat er das Gebot und nahm die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester. Übertrat das Gebot. Am Silvesterabend des Jahres 1946 hielt Erzbischof und Kardinal Josef Frings eine Jahresabschlusspredigt und sprach über das 7.Gebot: „Du sollst nicht stehlen.“ Darin sagte er: „Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann.“
In diesem Moment wurde ein neues Wort geboren, das seinen Namen unsterblich machte: „fringsen“, also stehlen aus blanker Not. Wie viele Gewissen mag diese Predigt aus ihrer großen Not befreit haben, Menschen, die in dieser bösen Zeit keinen anderen Weg wussten, um ihr Überleben zu sichern.

Die Jünger griffen nicht aus Not nach den Ähren. Und doch möchte Jesus mit der Geschichte um David den Blick weiten. „Worum geht es? Geht es hier um`s Prinzip?“, so scheint er die Pharisäer mit der Geschichte um David zu fragen. Jesus verteidigt seine Jünger nicht. Er lässt sie gewähren. Er steigt nicht ein in eine Diskussion, was denn am Sabbat erlaubt wäre und was nicht. Jesus erzählt eine Geschichte von menschlichen Bedürfnissen und führt das Sabbatgebot heraus aus einer menschenfeindlichen Engführung hin zu einer Freiheitsgabe Gottes für den Menschen. Der Feiertag ist für den Menschen da. Der Mensch ist nicht für den Sabbat gemacht.
Jesus, der Menschensohn, ist „Herr über den Sabbat“. Er öffnet mit seinem Umgang zum Sabbatgebot einen Raum der Freiheit für uns Menschen. Der Sabbat oder Sonntag ist ein Tag der Freiheit – ohne Bedingungen, auch ohne beiliegende Gebrauchsanweisung. Gott gibt umsonst, denn er ist freundlich.

Die Jünger dürfen fröhlich durch die Felder streifen und Ähren ausraufen, die jungen Leute sonntags lange schlafen, die Autofreaks dürfen ihren Spaß an der gründlichen Fahrzeugpflege am Sonntagmorgen haben. Sie alle nutzen die Gelegenheit des freien Tages, die Chance, Pause zu machen, den gehetzten Lauf der Dinge zu unterbrechen.
Freilich ist am Feiertag auch mehr drin als essen, Auto waschen und lange schlafen. Der Feiertag erinnert auch daran, dass Leben mehr ist als das. Er erinnert auch daran, dass der Mensch mehr aus seiner Freiheit machen kann. In der Hinwendung zu Gott, die Gott mit dem Sabbat als Ruhetag dem Menschen unverstellt gönnt, räumt Gott weg, was sich im Alltag vor die Freiheit des Menschen stellt. Der ganze Druck, die vielen Verpflichtungen, das Getrieben sein, an diesem Tag legt Gott für uns eine Pause ein. Nutzen wir sie! Auch indem wir mehr daraus machen als vorzüglich essen, lange schlafen, gute Gespräche führen. Denn auch das brauchen wir Menschen für ein Leben in Freiheit, so sehr wie das tägliche Brot: Zeit zur Ruhe und zum Beten, uns von der Welt der Schöpfung hin zu unserem Schöpfer und Erhalter hinzubewegen. In der Schöpfung den Schöpfer zu feiern heilt unser gehetztes Leben.  Der Feiertag ist nicht um der Wochentage und zum Kräfte sammeln da, sondern, um Gottes und der Menschen willen. Der Feiertag ist kein Intermezzo zwischen den Arbeitstagen, sondern der Höhepunkt der Zeit, ein Stück geöffneter Himmel, den Jesus uns öffnet.

Sonntag für Sonntag feiern wir den geöffneten Himmel, den Jesus uns durch seine  Auferstehung geöffnet hat. Jeder Sonntag erinnert uns an die Befreiung des Lebens vom Tod, erinnert uns daran, dass Unfreiheit, Tod und Schuld nicht das Letzte sind, was über unserem Leben steht. Ein Tag der Freiheit für uns Menschen.

Amen


Lasst uns beten:

Gott, Vater im Himmel, deine Kinder sind wir, dir gehören wir. Du hast uns berufen zur Freiheit. Wir danken dir, dass du uns nachgehst mit deiner Güte und uns rufst auf deinen Wegen zu bleiben.

Darum bitten wir dich, dass wir uns nicht übereinander erheben, sondern auch im anderen dein geliebtes Geschöpf erkennen und die Würde, die du ihm schenkst.

Wir bitten dich für die Eltern und Erzieher, dass sie Jugendlichen zeigen, wie man leben kann, nicht starr und gesetzlich, sondern in der Freiheit, die ihre Grenzen in der Achtsamkeit mit dem anderen kennt.

Wir bitten dich für die Gesetzgeber und Richter, dass sie das Recht pflegen und mit jedem einzelnen gerecht umgehen. Bewahre sie vor der Beugung des Rechts und gib ihnen Kraft politischen Stimmungen zu widerstehen.
Wir bitten dich für alle, die über die Zukunft anderer entscheiden, dass sie sich zum Wohl der Menschen einsetzen; dass sie Arbeit haben, Zugang zu Bildung, zu Krankenversorgung. Alle in der Politik lass den Weg der Verständigung und des Friedens gehen.

Du, Gott, bist der letzte Horizont unseres Lebens. Gib uns für die vorletzten Dinge dieser Welt deinen Geist und gesunden Menschenverstand, damit auf dieser Welt Ordnungen herrschen, in denen alle leben können, die Starken und die Schwachen, die Alten und die Jungen, die Mehrheiten und die Minderheiten, die Heimischen und die Fremden.

Gemeinsam mit den Worten deines Sohnes Jesus Christus beten wir:

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Mit Gottes Segen lasst uns in die kommende Woche gehen:

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen

      
Eine gute kommende Woche wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Roman Hartmann
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