Wochenandacht - EVKIGER

Evangelische Kirchengemeinde
Gerolstein-Jünkerath
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Unsere aktuelle Andacht

      
  Andacht zum 14. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Roman Hartmann
      
„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“, mit diesem Wochenspruch zum 14. Sonntag nach Trinitatis aus Psalm 103,2 seien Sie, liebe Leserinnen und Leser, herzlich gegrüßt. Vieles empfangen wir im Leben, wofür wir dankbar sein können. Leicht wird es von uns als selbstverständlich hingenommen. Schnell empfinden wir Trauer und Wut, wo wir Mangel leiden. Der Wochenspruch aus Psalm 103,2 macht darauf aufmerksam, das Gute im Leben wahrzunehmen und Gott dafür zu danken. So vieles ist uns geschenkt. So vieles haben wir auch in der Vergangenheit empfangen dürfen. Auch das gilt es zu schätzen, wenn es uns gerade jetzt vielleicht nicht so gut gehen mag. Gerade uns, die wir hier in Deutschland leben, ist so vieles gegeben. Dank, der selbst das Normale nicht selbstverständlich nimmt, macht es zum Anlass der Freude und bringt eine positive Haltung in das Leben. In der Erzählung vom Oberzöllner Zachäus werden wir davon hören, wie Dank  über erfahrene Gnade, es einem das ganze Leben veränderte.

Lasst uns mit Worten des Psalmes sprechen:

Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster.
(Psalm 92,2)

Lobe den Herrn, meine Seele! Ich will den Herrn loben, solange ich lebe, und meinem Gott lobsingen, solange ich bin. Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung setzt auf den Herrn, seinen Gott. Der Herr macht die Gefangenen frei. Der Herr macht die Blinden sehend. Der Herr richtet auf, die niedergeschlagen sind. Der Herr liebt die Gerechten.
(Psalm 146,1.5.7c-8)

Lasst uns beten:

Wie oft sehen wir, Gott, auf das, was nicht geglückt ist, und kritisieren kleine Mängel im ansonsten gelungenen Zusammenspiel. Dabei übersehen wir das viele Gute und die wunderbaren und erfüllenden Begebenheiten.
Wie leicht hören wir auf die Stimme der vielen Sorgen des Alltags und der Probleme, die es zu lösen gilt. Dabei überhören wir Worte des Zuspruchs und der Hilfe, des Trostes und der Ermutigung. Wie häufig rennen wir den Anforderungen hinterher und fühlen uns getrieben von der Fülle der täglichen Aufgaben. Dabei hasten wir an den kleinen Dingen vorbei, die das Leben so schön, bunt und wertvoll machen. Wir bitten dich, Gott: Wende unseren Blick, dass wir mehr auf das Geglückte und Erfüllende sehen. Lass uns sorgsamer auf die guten Stimmen und Worte hören, die Sorgen Einhalt gebieten und Kraft für den Alltag geben. Schenke uns Momente der Ruhe und Einkehr, damit wir die Dinge gelassener angehen, die kleinen Wunder neu wahrnehmen und wieder lernen, danke zu sagen. Durch Jesus Christus, unsern Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.


Der Predigttext steht im Lukasevangelium 19, 1-10:

Jesus ging nach Jericho hinein und zog hindurch. Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. Da sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt. Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.


      
Liebe Leserinnen und Leser!

Wann sind Sie das letzte Mal auf einen Baum geklettert? Als Kind habe ich das gerne und häufig gemacht und für mich war es das letzte Mal tatsächlich diese Woche gewesen. Der Mirabellenbaum auf unserem Kirchengelände steht voller Früchte und die in Reichweite sind, sind schon weggeerntet.  Also hoch auf den Baum. Der Stamm gabelt sich in etwa 50 cm Höhe in drei dicke Äste, auf diese Gabelung habe ich es locker drauf geschafft. Weiter habe ich dann nicht probiert. Bin ja keine 14 mehr. Respekt, Zachäus, kann ich da nur sagen. Denn das will ich der Erzählung entnehmen, dass es für ihn doch mehr als 50 cm hoch auf den Baum gewesen sind. Vielleicht mag er ja jünger als ich gewesen sein, aber es heißt auch, er war klein. Also großer Ausfallschritt war wohl nicht.
Ja, gerade seine Kleinwüchsigkeit ist es ja gewesen, die ihn auf den Baum getrieben hat, denn so wird es erzählt: „Er begehrte Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt.“
Es wird viel darüber spekuliert, wie es damals abgelaufen sein könnte. Eine mögliche Erklärung: Zachäus hatte es probiert durch die Menge zu Jesus vorzudringen, die aber ließ ihn nicht. Zachäus, der Oberzöllner, bei den Leuten war er verhasst. Einer, der mit der römischen Besatzungsmacht zusammenarbeitete, für diese die Steuern eintrieb, dabei noch betrügerisch in die eigene Tasche wirtschaftete, und wurde dabei auch noch reich. „Dem zeigen wir es jetzt. Hier kommst du nicht durch“, mögen die Leute bei sich gedacht haben. Wo immer sich für ihn auch eine kleine Lücke auftat, da rückte die Menge sogleich zusammen.
Andere Erklärung und diese bevorzuge ich, Zachäus hat gar nicht probiert, durch die Menge zu Jesus zu kommen. Als Außenseiter hat er die Leute gemieden. Besser nicht auffallen und schon gar kein Aufsehen erregen. Wie er den Platz voller Leute sah, hat er die Alternative gesucht und dabei den Baum für sich entdeckt. So nah wollte er vielleicht auch gar nicht an Jesus ran. Es ist ja zunächst wohl nur Neugier gewesen, die ihn zum Ort des Geschehens trieb. Jesu Ruf war ihm bis nach Jericho vorausgeeilt  und erst kurz vorher noch hatte er vor den Toren Jerichos einen Blinden geheilt. Diesen Mann, der so spektakuläre Dinge tat, den wollte Zachäus einfach einmal sehen. Vom Baum aus konnte er das aus sicherer Entfernung und mit vorsichtiger Neugier tun. So dachte er. Doch da irrte er sich. Dazu werde ich später noch kommen. Zunächst erst noch die Frage: Kann ich aus sicherer Entfernung sehen, wer Jesus ist? Genügt Neugier, um zum Glauben zu kommen?
Sicherlich kann ich es so probieren und viele probieren es so ja auch. Gerade in unserer Volkskirche gibt es ja die vielen, die aus der Distanz Kirche und Glaube betrachten. Viele tun das durchaus mit Interesse und beäugen dabei auch kritisch, was die Kirche so tut.
Über die vielen Jahre als Pfarrer sind mir immer wieder Menschen aufgefallen, die für eine gewisse Zeit den Gottesdienst besuchen und dann sind sie wieder weg. Manchmal weiß ich oder ich ahne es, dass irgendeine Krise im Leben sie in den Gottesdienst führt. Ein Abschied oder ein belastender Konflikt lässt sie bei Gott nach Hilfe suchen. Zumeist sitzen sie in den hinteren Reihen. Scherzhaft können wir da sagen, dann ist der Weg wieder hinaus nicht so weit. Meine Deutung ist eher, nicht so weit in den Kirchenraum hinein, denn richtig gehöre ich ja hier nicht hin.
Dem Zachäus ist nun etwas ganz Wunderbares passiert. Denn entscheidend ist nicht, dass wir uns auf die Suche machen und Jesus finden, sondern es geht ja vielmehr umgekehrt. Jesus sucht und findet uns. „Und als Jesus an die Stelle kam (wo Zachäus auf dem Baum saß), sah er ihn und sprach ihn an.“ Zunächst mag Zachäus noch ganz erschrocken gewesen sein, denn damit hatte er nicht gerechnet, doch schnell wandelt sich sein Schreck in unbeschreibliche Freude. Jesus bemerkte ihn. Ja, Jesus kannte ihn. Jesus redete ihn mit Namen an und lud sich selbst bei ihm ein. Ihn, den die Leute mieden, in seinem Haus wollte Jesus sein.
Gesehen werden und angesprochen werden. Genauso habe auch ich es erlebt. So habe ich den Weg zur Gemeinde und zum Glauben gefunden. Als ich Konfirmand war, sprach mich mein Pfarrer an. „Hättest du nicht Lust im Team für den Kindergottesdienst mitzuarbeiten?“ Wer, ich? Ich soll das können? Mein Pfarrer traut mir so etwas zu!? Ach, was tat mir das als 14jähriger gut. Ältere Jugendliche, die sich im Gemeindehaus trafen, sahen mich und sprachen mich an. „Hättest du nicht auch Lust zu unseren Treffen zu kommen?“ So fing es bei mir an. Gesehen und angesprochen werden und eingeladen werden oder auch sich selbst einladen, so wie es Jesus hier tut. Aber das ist vielleicht auch ein besonderer Fall. Auf jeden Fall soll und muss das ganz unaufdringlich geschehen. Die Keule gibt es da ja auch. Auch das habe ich erlebt. „Hast du dich schon zu Jesus bekehrt?“ So bitte nicht. Und einander sehen und ansprechen, das sollen wir alle tun. Das darf nicht nur Aufgabe des Pfarrers oder der Pfarrerin sein.
Gerne hätte ich damals Mäuschen gespielt, um zu hören, wie denn Jesus beim gemeinsamen Mahl im Hause des Zachäus mit diesem ins Gespräch gekommen ist. Der Bibeltext bei Lukas schweigt sich drüber aus. Aber das Ergebnis zeigt, dass da was gelungen war. Da hatten sich zwei gefunden. Da war wohl Verstehen da. Da war wohl Vertrauen da. Eine Atmosphäre herzlicher Freundlichkeit. Hier darf ich sein. Hier darf ich „Ich“ sein. Hier muss ich mich nicht verstellen. Dem Zachäus hat diese Erfahrung sein Leben umgekrempelt:  „Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.“
In dem Roman „Mirjam“ von Luise Rinser, in dem das Leben Jesu erzählt wird, kommt diese Szene mit Zachäus auch vor. Darin lässt Luise Rinser Zachäus folgende Worte zu Jesus sagen: „Rabbi, du hast mir mein Herz umgewendet wie einen Sack, und schau, was da herausfällt: Diebesgut, Rabbi!“
Du hast mein Herz umgewendet wie einen Sack, und schau, was da herausfällt. Da ist Reich Gottes da, wo Menschen, wo wir das erleben dürfen. Da gibt es ja nicht nur Diebesgut. Da gibt es ja so viel, das uns das Herz schwer macht und das raus will und da wo es rausfällt, es uns das Herz leicht macht. Heilung und Vergebung empfangen, da wo Schuld quält. Sorgen und Ängste vor der Zukunft aussprechen, Trauer unter Schluchzen und Tränen, die eigene Schwachheit zeigen können. Es sind besondere Momente, wo das im seelsorgerlichen Gespräch zu zweit oder in der kleinen Gruppe gelingt. Viele Gelegenheiten dazu  bleiben ungenutzt. Dazu haben wir viel zu viel Angst voreinander und häufig nicht das richtige Gespür.
Doch da, wo es gelingt, wo wir unser Herz erleichtern und ausschütten können, tut sich Reich Gottes auf. Und das Gebet bleibt uns immer. Im Gebet vor Gott hintreten und unser Herz ausschütten, auch das macht es uns frei.
Dabei werden uns in den Evangelien nicht von ungefähr gerade auch Menschen wie Zachäus gezeigt, zu denen sich Jesus auf den Weg machte, im Auftrage Gottes gerade zu denen, die es schwer hatten im Leben, die Kranken und Armen, die Zweifelnden und Distanzierten, die Sünder und Zöllner. Jesus bemerkt sie, Jesus kennt sie, Jesus redet sie mit Namen an und lädt sich bei ihnen ein. In ihrem Haus will er sein. Bei Gott fällt niemand heraus. So kennt Gott auch mich und dich.

Amen.

Lasst uns beten:

Jesus Christus, wir bitten dich, mache dich auf den Weg zu uns. Diese Welt braucht die Liebe, die du uns schenkst. Deine Liebe verwandelt. Du schenkst Hoffnung. Dein Geist stärkt uns und steht uns bei.

So bitten wir dich für die, die sich nach Hoffnung verzehren.
Verwandele mit deiner Gegenwart die Orte ohne Trost:
Moria, die ungezählten Lager, in denen Flüchtlinge zu überleben versuchen, die Foltergefängnisse der Diktatoren, die Hütten der Verarmten und Hungernden.

Wir bitten dich für die, deren Schmerzen nicht enden. Heile durch deine Gegenwart die Leidenden: die Kranken, die Infizierten, alle, die sie pflegen, die Einsamen und die Trauernden.

Wir bitten dich für die, die in dieser Welt Einfluss haben. Bekehre durch deine Gegenwart alle, die sich ihrer Macht sicher sind: die Herrscher, die, die über Waffen verfügen, diejenigen, die über andere urteilen und die, auf deren Meinung gehört wird.


Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Mit Gottes Segen lasst uns in die kommende Woche gehen:
Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen.
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